Geschichte des Tourismus

Flieh, Pomp und Torheit satt, Mein Geist, flieh Hof und Stadt! Im goldbehängten Saal Wohnt Unruh´, Sorg´und Qual; Die Ruh´wohnt dort im Tal! Es heist auch jeden in unsere Bergwälder zugereisten Fremdling von Jägerherzen „Willkomen!“ 
Ferdinand Náhlík, Forstbezirks-Adjunkt − aus dem ältesten gedruckten Wanderführer durch das Elbsandsteingebirge Führer durch die Böhmische Schweiz aus dem Jahr 1864.

Die Anfänge des Tourismus in der Böhmischen Schweiz liegen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Man kann sagen, dass diese Gegend vor allem die schweizerischen Maler Adrian Zingg und Anton Graff zu entdecken und zu präsentieren begonen haben. Sie waren an der Akkademie beim sächsischen Hof und unternahmen von Dresden Ausflüge entlang der Elbe in Orte zwischen Pirna und Herrnskretschen (Hřensko). Die hiesige Landschaft errinerte sie an die Umgebung in ihrer Heimat, sie benannten sie also Sächsische Schweiz. Später entstand auch der Name Böhmische Schweiz.

Das touristische Interesse für diese Region beeinflusste bedeutend die Entwicklung der Schifffahrt und der Bahn. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auf der Elbe eine Schiffverbindung zwischen Tetschen (Děčín) und Dresden aufgenommen. Neben Frachtschiffen konnte man auch erste Ausflugsdampfer sehen. Im Jahr 1851 wurde die Bahnstrecke von Dresden nach Bodenbach (Podmokly, heute Stadtteil von Tetschen/Děčín) vollendet. Diese Meilensteine waren der Anfang der Entwicklung des Tourismus, die mit einer Unterbrechung während des zweiten Weltkriegs bis heute andauert.

Um die Eröffnung der Böhmischen Schweiz für den Tourismus, einer bedeutenden  Einnahmenquelle für die hiesige Bevölkerung, verdienten sich die Familien Kinských − Besitzer der Herrschaft Böhmisch Kamnitz u Clary-Aldringen − Besitzer der Tetschner Herrschaft. Bis heute tragen viele traditionelle und touristisch attraktive Stellen in der Böhmischen Schweiz den Namen von Mitgliedern dieser adligen Familien, wie zum Beispiel Rudolfstein (Rudolfův kámen), Wilhelminenwand (Vilemínina stěna), Marienfels (Mariina skála), Ferdinandsklamm (Ferdinandova soutěska) oder Edmundsklamm (Edmundova soutěska). In die Geschichte des Tourismus hat sich die Familie Clary-Aldringen vor allem durch die Inbetriebnahme der Klammen an der Kamnitz (Kamenice, Bootsfahrt ab 1890) und der Öffnung der größten Felsbrücke Europas - des Prebischtors (Pravčická brána, ab 80er Jahren des 19. Jahrhunderts) für die Öffentlichkeit eingeschrieben.

Mit der Entwicklung des Tourismus ist untrennbar auch das Entstehen von touristischen Vereinen in der Böhmischen Schweiz – es handelte sich vor allem um den Gebirgsverein für die Böhmische Schweiz (Horský spolek pro České Švýcarsko, gegründet 1878 in Tetschen/ Děčín) und den Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen (Horský spolek pro nejsevernější Čechy, gegründet in Schönlinde/Krásná Lípa). Beide Vereine markierten Wege, gaben Karten und touristische Literatur heraus, eine Ehrensache der örtlichen Vereine auch der Aufbau von Aussichtstürmen, Gaststätten oder zumindest von Raststellen und Herbergen in ihrer nächsten Umgebung.

Die ganze Böhmische Schweiz war ein traditionelles und eines der bekanntesten touristischen Gebiete Mitteleuropas. Für Interessenten für Tourismus und die Region sind ein Netzwerk markierter Wanderwege und mehr als 45 km markierter Radwege vorbereitet, in ausgewählten Gebieten fehlt nicht die Möglichkeit, die Böhmische Schweiz vom Pferderücken zu entdecken.