Bedeutende Persönlichkeiten

Die Böhmische Schweiz gehört dank der imposanten Natur zu Recht einzigartigen Gebieten. Es ist aber auch eine Region, in der Menschen lebten und arbeiteten, die sich bedeutend in die Geschichte der Region eingetragen haben.

Maler der Böhmischen Schweiz

Das wirkliche Interesse für die Abbildung der Landschaft des Elbsandsteingebirges (Labské pískovce) und des Gebiets der heutigen Böhmischen und Sächsischen Schweiz erwachte in der Zeit der sog. Romantik am Umbruch vom 18. zum 19. Jahrhundert. Die meisten Gemälde entstanden im 19. Jahrhundert, im folgenden Jahrhundert wird die Malerei jedoch von der Fotografie verdrängt.

Adrian Zingg (1774-1816), Karl August Richter (1770-1853) und sein Sohn Adrian Ludwig Richter (1803-1884) gehören zu den ersten romantischen Landschaftsmalern, die vor allem an der Königlichen Akademie in Dresden tätig waren. Bezaubert waren sie vor allem von dem nahen Teil des Elbsandsteingebirges - der Umgebung des Prebischtors (Pravčická brána) – und inspirierte sie zur Abbildung der konkreten Landschaft. Der bedeutendste Landschaftsmaler der Dresdner frühen Romantik war Caspar David Friedrich (1774-1840).

August Frind (1852-1924)

Geboren in Schönlinde (Krásná Lípa), schon ab seinem zwanzigsten Lebensjahr hat er sich voll der Malerei gewidmet. Die Familie des Schönlinder Fabrikanten Carl Dittrich wurde zum Gönner des jungen Malers aus einer armen Familie und ermöglichte ihm so das Prestigestudium an der Dresdner Kunstakademie. Neben der Malerei widmete sich Frind auch der Heraldik, er malte außer anderem auch das Stadtwappen der Stadt Warnsdorf (Varnsdorf) und im Jahr 1893 erstellte er das Stadtwappen von Schönlinde (Krásná Lípa). Ein weiterer großer Auftrag war für Augusta Frind die Gestaltung der Kapelle seines Gönners Dittrich in Schönlinde (Krásná Lípa). Seine häufigsten Themen waren biblische Motive, häufig hielt er auch das Alltagsleben einfacher Menschen fest.

(Text zum Teil übernommen: Elbsandsteingebirge und Kunst - herausgegeben von der LSG-Verwaltung Elbsandsteingebirge, 2004)

Musik und die Böhmische Schweiz

Die wunderschöne Landschaft der Böhmischen Schweiz und des Schluckenauer Zipfels war nicht nur für Maler eine Inspiration, sondern auch für Komponisten. Die Musiktradition selbst hat hier tiefe Wurzeln. In der Region gab es auch einige anerkannte Hersteller von traditionellen Musikinstrumenten, vor allem Orgeln, Klavieren und Geigen.

Franz Bendel

Geboren 1832 in Schönlinde (Krásná Lípa), er studierte in Weimar bei Franz Liszt, Bendel wurde sein beliebter Schüler. Er war ein allseitiger Komponist und Autor von insgesamt 141 Werken, vor allem für Klavier. Er war ein hervorragender Pianist seiner Zeit, später wurde er Professor in Berlin.

Antonín Dvořák

Geboren 1841, in den Jahren 1856-57 hielt er sich in Böhmisch Kamnitz (Česká Kamenice) auf, wohin er geschickt wurde, um deutsch zu lernen. Auch hier erhielt er weiteren Musikunterricht bei F. Hanke. Dvořák war ein begabter Schüler, früh und auch oft vertritt er seinen Lehrer beim Orgelspielen in der Kirche Hl. Jacob. Obwohl er eine Fleischerlehre absolvierte, hatte der Aufenthalt in Böhmisch Kamnitz wahrscheinlich so eine Wirkung auf ihn gehabt, dass er beschloss sich weiter der Musik zu widmen und er wurde noch im Jahr 1857 in die Prager Orgelschule aufgenommen.

Fryderyk Chopin 

Geboren 1810, in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verkehrte er mit der Fürstenfamilie der Tetschner Thun-Hohenstein und unterrichtete ihre Kinder etwa zwei Jahre Klavierspiel. Bedeutend war für Chopin das Jahr 1835, als er sich auf dem Tetschner Schloss (Děčínský zámek) längere Zeit aufhielt und sein Besuch der ganzen Familie Freude brachte. Er inspirierte sich hier zum Komponieren des „Tetschner Wlazers“, der ein Andenken ist an freudige Augenblicke in Böhmen.

Taddeus Palme

Geboren im Jahr 1756 in Schönlinde (Krásná Lípa), er wird auch „Beethoven Nordböhmens“ genannt. In seinem Geburtsort war er ein bedeutender Musiker, Orgelspieler, Lehrer und Dirigent.

Augustin Stradal

Geboren 1860 in Teplitz (Teplice), er studierte das Musikkonservatorium und war der letzte Schüler von Franz Liszt in Weimar. Nach dem Tode von Liszt kehrte er nach Teplitz (Teplice) zurück, wo er als Professor für Musik tätig war. Er begann sich einer selbstständigen Konzertstrecke zu widmen und arbeitete sich zu einem der besten Interpreten der Werke von Liszt aus. Nach dem Abschluss der Musikkarriere zog Stradal mit seiner Gattin nach  Schönlinde (Krásná Lípa), wo er komponierte und unterrichtete. Er verstarb 1930 in Schönlinde (Krásná Lípa).

Richard Wagner

Geboren 1813 in Leipzig. In den Jahren 1845 bis 48 schrieb er die romantische Oper Lohengrin und bestätigte selbst, dass ihn die Natur in Dittersbach (Jetřichovice) während seines Aufenthalts hier motivierte.

Carl Maria von Weber

Geboren 1786 in  Eutin, ab dem Jahr 1816 war er Sächsischer Königlicher Kapellmeister in Dresden. Zwei Jahre vor dem Aufenthalt in Dresden war er auf einer Kur im Bad Libverda. Gerade hier schrieb er seine Oper Der Freischütz. Gerade in diesem Werk wird die Dramatik und Spannung der hiesigen romantischen Landschaft wiedergegeben.

(Text zum Teil übernommen: Elbsandsteingebirge und Musik - herausgegeben von der LSG-Verwaltung Elbsandsteingebirge, 2004)

Wissenschaftler und Naturfreunde der Böhmischen Schweiz

Brüder Bienert

František Bienert (geb. 1911) und sein Bruder Eduard (geb. 1909) lebten ihr ganzes Leben lang in Schluckenau (Šluknov). Ihre Interessen waren der Tourismus und die Heimatkunde der Region. Ing. František Bienert arbeitete im Rumburger Textilwerk Bytex und durfte als Sudetendeutscher nachdem zweiten Weltkrieg in Böhmen bleiben. Im Gegenteil dazu wurde sein Bruder Eduard aus Böhmen vertrieben, es flüchtete jedoch aus dem Transport und versteckte sich Jahrelang in seinem Haus in Böhmen. Lange Jahre las und studierte er in seinem Versteck alte Texte, Wanderführer und Karten, um die Informationen an seinen Bruder zu geben, der dann in der Landschaft der Böhmischen Schweiz Innschriften, Gedenksteine und weitere Denkmäler suchte. Die Brüder organisierten viele Ausflüge in die Umgebung, die sie so gut kannten und von der sie so fesselnd erzählen konnten. Beide starben tragisch im Jahr 1990.

Thaddeus Haenke

Geboren im Jahr 1761 in Kreibitz (Chřibská). Er war Arzt, Forschungsreisender und Naturwissenschaftler. Er war auch ein Teilnehmer einer Entdeckungsreise zu pazifischen Küste Amerikas, er überquerte den Pazifik und stellte viele Sammlungen von den Philippinen und Australien zusammen, um letztendlich wieder nach Amerika zurück zu kommen. Am Ende hat er sich in Cochabamba (Bolivien) niedergelassen. Von hier aus pflegte er Kontakte mit vorderen europäischen Botanikern, verschickte Minerale, Pflanzen sowie Studien über die Natur und das Leben der Indianer an Museen und wissenschaftliche Gesellschaften. Auf dem Weg zu den Quellen der Zuflüsse des Amazonas entdeckte und beschrieb er die Lotosblume Victoria regia. In Haenkes Geburthaus auf dem Marktplatz in Kreibitz (Chřibská) befindet sich heute ein Heimatkundemuseum.

Rudolf Kögler

Geboren 1899, er wuchs in armen Verhältnissen in Schönlinde (Krásná Lípa) auf. Er arbeitete in einer Wirkerei in Gärten, aber schon seit der Kindheit zeigte er außerordentliches Interesse für die Natur– er interessierte sich vor allem für Mineralogie, Botanik und Astronomie. Eine der größten Arbeiten von Rudolf Kögler war die Erstellung einer geologischen Karte. Rudolf Kögler konnte auch ohne Zuneigung der damaligen Behörden den ersten dokumentierten Naturpfad in der damaligen ČSR erstellen, welcher am 12. Oktober 1941 eröffnet wurde, 12 km lang war und mit 70 Tafeln bestickt war. Rudolf Kögler verstarb im Jahr 1949. Derzeitig erneuert die Stadtverwaltung Krásná Lípa die den Wiederaufbau von Köglers Naturpfad, der in einer erweiterten Form im Jahr 2007 vollständig für die Öffentlichkeit eröffnet werden soll.

Ferdinand Náhlík

In den Jahren 1860-64 war er Forst-Adjunkt in den Diensten des Fürsten Ferdinand Kinsky in Rennersdorf (Rynartice) bei Dittersbach (Jetřichovice). Náhlík gab als erster einen gedruckten Wanderführer durch die Böhmische Schweiz heraus. Die Neuausgabe des Werkes aus dem Jahr 1864 unter dem Namen Führer durch die Böhmische Schweiz („Průvodce po Českém Švýcarsku“) gab die gemeinnützige Gesellschaft Böhmische Schweiz im Jahr 2003 heraus, zu Bestellen hier.

Industrielle und Mäzen

Eduard Hielle

Einer der Inhaber des Schönlinder Textilwerkes – Firma Hielle/Ditrich. In den Jahren 1885 bis 1887 wurde für ihn nach Plänen der Dresdner Architekten Lossow und Viehweger die prächtige Villa im Stil der Neurenaissance in der heutigen Straße Pražská ulice in Schönlinde (Krásná Lípa), später Seniorenheim, heute Villa in der Nachbarschaft des Sportgeländes der Stadt Krásná Lípa) erbaut.

Carl Dittrich

Der zweite Inhaber des Schönlinder Textilwerkes Hielle/Ditrich. Zu seiner Lebenszeit war er ein Mäzen der Stadt Schönlinde (Krásná Lípa), finanziell unterstützte er auch den Maler August Frind. Dittrich begann als einer der ersten Unternehmer auch Gels als Unterstützung im Alter zu zahlen. Der Stadt Schönlinde (Krásná Lípa) widmete er viele gemeinnützige Bauten, u.a. das Krankenhaus (heute Heim für langfristig erkrankte), ein Erholungsheim (heutiges Gebäude der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz). Die Familiengrabstätte befindet sich im Stadtpark beim Friedhof.

Albin Hugo Liebisch

Geboren im Jahr 1888 in Rumburg (Rumburk). Im Jahr 1920 zog Liebisch mit seiner Familie nach Schönlinde (Krásná Lípa) und war Hauptmechaniker in der Automobilwerkstatt von Alfred Hielle. Im Jahr 1922 beantragte Liebisch eine Gewerbezulassung und begann im Jahr 1925 mit der Serienherstellung der Motorräder Čechie – Böhmerland, die jedoch nicht ganze zehn Jahre dauerte. Liebisch arbeitete in Schönlinde (Krásná Lípa) weiter, aber auch während des zweiten Weltkriegs und nach ihm wurde die Motorradherstellung nicht mehr aufgenommen. Liebisch ging nach Passau, wo er im Jahr 1965 verstarb.